Was bringt der Steirische
Gesundheitsplan 2035?

15. März 2022

Die Steirer*innen sind heute zum Glück gesünder und leben länger als je zuvor. Auch bietet der medizinische Fortschritt neue Möglichkeiten. Um diese zu nutzen und weiterhin eine bestmögliche Gesundheitsversorgung zu gewährleisten, müssen sich die Strukturen weiterentwickeln. Dies wird in der Steiermark gerade mit dem Steirischen Gesundheitsplan 2035 umgesetzt. Die Gesundheitsversorgung rückt damit näher an die Menschen, wird qualitativ noch besser und ermöglicht mehr Beteiligung. So wird langfristig für uns alle eine „gesunde Zukunft“ abgesichert.

(Credit: blackCAT/iStock)

Mehr Nähe

Die Gesundheitsversorgung rückt näher an uns Menschen. Schrittweise werden Gesundheitszentren errichtet – als Ergänzung zu den Haus- und Fachärzt*innen. Über das Gesundheitstelefon 1450 ist medizinisch geschultes Personal rund um die Uhr erreichbar und auch eine lückenlose Notarztversorgung ist gesichert.

Bessere Qualität

Alle Steirer*innen verfügen auch in Zukunft über einen gleichwertigen Zugang zur qualitativ hochwertiger Gesundheitsversorgung. Moderne Möglichkeiten der Medizin können noch besser zum Wohle der Menschen genutzt werden, auch wird das Versorgungssystem langfristig abgesichert.

Mehr Beteiligung

Die Gesundheitsversorgung wird einfacher und besser verständlich. Dadurch wissen wir alle besser, wie wir für mehr Gesundheit im Alltag sorgen können und wer uns dabei unterstützt. Auch in die Umsetzung des Gesundheitsplans selbst werden die Steirer*innen aktiv eingebunden.

Woraus besteht der Gesundheitsplan 2035?

Gesundheitstelefon 1450
Hausärzt*innen und Gesundheitszentren
Fachärzt*innen und Facharztzentren
Leitspitäler
Notfallversorgung
Gesundheitstelefon 1450

Gesundheitstelefon 1450

Die erste Anlaufstelle im Gesundheitssystem: Medizinisch geschultes Personal gibt Auskunft bei Gesundheitsfragen und leitet weitere Behandlungsschritte ein. Das Gesundheitstelefon 1450 steht uns rund um die Uhr zur Verfügung.
Franz Kotzent (Gesundheitszentrum Liezen)

Erste Versorgungsstufe
Hausärzt*innen und Gesundheitszentren

Die Gesundheitszentren (Primärversorgungseinrichtungen) sind – genauso wie weiterhin die Hausärzt*innen – unsere zentrale Anlaufstelle in allen medizinischen Fragen. Sie koordinieren die weitere medizinische Versorgung z. B. durch Fachärzt*innen oder Leitspitäler. Durch ihren umfassenden Informationsstand über unsere Gesundheit verhindern sie unnötige Umwege, Fehlzuweisungen oder Verzögerungen in der Behandlung.
Untersuchung Rückenschmerz

Zweite Versorgungsstufe
Fachärzt*innen und Facharztzentren

Die ambulante fachärztliche Versorgung deckt auch künftig die Diagnostik und Therapie bei fachlich speziellen und komplexen Krankheitsbildern ab. Ein Facharztzentrum ist ein Zusammenschluss von mehreren Fachärzt*innen mit Kassenvertrag unter einem Dach. Dadurch werden uns als Patient*innen lange Wege erspart, die Behandlung ist besser abgestimmt und die Qualität steigt.
moderne Spitalsambulanz

Leitspitäler

Für jede Region der Steiermark entsteht ein Leitspital. Statt wie bisher an kleineren Standorten nur wenige Fachrichtungen anbieten zu können, wird in den größeren Leitspitälern mehr Wissen und Erfahrung gebündelt. Dadurch ist in allen Regionen insgesamt mehr medizinische Versorgung in verschiedensten Fachrichtungen möglich. Viele alte Krankenhaus-Standorte werden außerdem nicht aufgelassen, sondern in Zukunft für weitere Gesundheitsangebote genutzt.
Notfallsversorgung

Notfallversorgung

Eine lückenlose Notfallversorgung steht heute wie morgen für uns alle in der ganzen Steiermark 24 Stunden täglich und 365 Tage im Jahr bereit.

Der Steirische Gesundheitsplan 2035 basiert auf den folgenden 7 Grundsätzen:

Die 7
Grundsätze

1
Das Gesundheitssystem ist für jeden Menschen durch möglichst geringen Aufwand und gleich gut erreichbar. Beim ersten Kontakt orientiert es sich ausschließlich am individuellen Nutzungsbedürfnis der Hilfesuchenden.

niederschwelliger, gleichwertiger Zugang

1
Jede*r Patient*in hat bei gleicher Erkrankung Anrecht auf eine qualitativ gleichwertige Versorgung mit potentiell gleichwertigem Ergebnis.

gleichwertige Versorgung

1
Das Land Steiermark investiert in die bestmögliche medizinische Versorgung seiner Bevölkerung. Dabei erfolgt der Mitteleinsatz koordiniert, zielgerichtet, bedarfsadäquat und qualitätsgesichert.

System langfristig absichern

1
Die Qualität der medizinischen Versorgung wird flächendeckend und in jeder Einrichtung nach bestverfügbarer Evidenz und dem Versorgungsauftrag entsprechend angeboten.

Qualität der Leistungen sicherstellen

1
Gesundheitsdienste-anbieter*innen arbeiten interdisziplinär zusammen. Unterschiedliche Leistungen werden gebündelt angeboten, um umfassende medizinische Versorgung sicherzustellen.

Vernetzung und integrierte Versorgung

1
Die Gesundheitskompetenz der Patient*innen wird gestärkt. Damit nehmen sie eine aktivere und partizipativere Rolle ein und behalten die Verantwortung für ihr Gesundheits-verhalten.

Selbstbestimmtheit und Teilhabe der Patient*innen

1
Die Notfallversorgung wurde um die ärztlichen Bereitschaftsdienste zu Nacht- und Wochenendzeiten erweitert. Diese ist nun zentral organisiert und flächendeckend in gleicher Verlässlichkeit und Qualität für alle Regionen verfügbar.

abgestimmte Notfallversorgung

(Credit: Christoph Huber)

Warum braucht es die Weiterentwicklung?

Gesund bleiben im Bezirk Liezen

Wir haben völlig neue Möglichkeiten

Moderne Technologien und der wissenschaftliche Fortschritt haben wesentlich dazu beigetragen, dass wir heute besser und gesünder leben als in Vergangenheit. Der medizinische Fortschritt ermöglicht es uns, dass wir deutlich seltener und kürzer stationär im Krankenhaus bleiben müssen, als noch vor einigen Jahren. Die Telemedizin etabliert sich zunehmend als Ergänzung – keinesfalls als Ersatz – zum persönlichen Gespräch mit den Ärzt*innen. Um diese Entwicklungen bestmöglich zum Wohle der Steirer*innen zu nutzen, braucht es die entsprechenden Strukturen.

Unsere Arbeitswelt verändert sich

Egal ob in der Medizin oder in anderen Bereichen: Für junge Menschen sind im Beruf heute Teamwork, Flexibilität und persönliche Weiterentwicklung essentiell. Und da es heute viel mehr Berufsmöglichkeiten gibt, als in Vergangenheit, spielt das Arbeitsumfeld eine immer wichtigere Rolle bei Berufsentscheidungen. Der Steirische Gesundheitsplan 2035 geht auch auf diese Entwicklung ein und ist damit eine Maßnahme gegen den Ärzt*innenmangel. Genauso wie die Patient*innen u. a. von einem mehr an Zusammenarbeit und neuen, flexibleren Versorgungseinrichtungen profitieren, gilt das auch für die Mitarbeiter*innen. Die Attraktivität für Ärzt*innen steigt.

Die Medizin wird immer komplexer

Heute haben wir viele Krankenhäuser, die zu wenig spezialisiert sind. Diese Spezialisierungen werden aber immer wichtiger, da die Medizin immer komplexer wird. Auch ist die Qualität der Versorgung deutlich höher, wenn Behandlungen öfters durchgeführt werden, wie es in gebündelten Krankenhäusern der Fall ist.

Die Qualitätsparameter haben sich verändert

Lange Zeit galt: Je mehr Krankenhausbetten, desto besser die Versorgung. Das stimmt heute aus vielerlei Gründen nicht mehr. Immer mehr Behandlungen können ambulant durchgeführt werden. Auch ergänzen die Gesundheits- und Facharztzentren sowie telemedizinischen Lösungen die Versorgung in Krankenhäusern und durch die Hausärzt*innen. Genauso wie wir heute für unsere Kommunikation und Mobilität viel mehr Möglichkeiten haben als früher, ist das auch in der medizinischen Versorgung. Und auch Ländervergleiche sprechen eine klare Sprache. In den skandinavischen Ländern leben die Menschen deutlich länger bei guter Gesundheit als in Österreich, obwohl dort die Anzahl der Krankenhausbetten deutlich geringer ist als hierzulande. In Österreich liegt der Indikator Gesunde Lebensjahre (Zahl der Jahre, die eine 65-jährige Person in guter gesundheitlicher Verfassung leben wird) bei 7,7 Jahren, in Norwegen hingegen mit 15,9 doppelt so hoch. Auch in Dänemark (11,3) und Schweden (16,2) leben die Menschen deutlich länger in guter gesundheitlicher Verfassung als in Österreich (Datenquelle).

Norwegen hat weniger als die Hälfte der Krankenhausbetten von Österreich (3,47 statt 7,19 pro 1.000 Einwohner). In Schweden (2,07 Betten je 1.000 Einwohner) und Dänemark (2,57 Betten je 1.000 Einwohner) ist die Anzahl noch geringer (Datenquelle).

Wir werden immer älter

Heute sind die Steirer*innen gesünder und leben länger als je zuvor. Das ist vor allem das Ergebnis einer ständigen Verbesserung und Veränderung der Gesundheitsversorgung. Und auch heute hat die Steiermark Handlungsbedarf: 2002 waren 197.000 Steirer*innen über 65 Jahre alt, 2035 werden es 351.000 Menschen sein (+78%). Die Zahl der Hochaltrigen ab 85 Jahren wird sich in diesem Zeitraum fast verdreifachen. Dadurch entstehen andere Krankheitsbilder, die andere Behandlungsmöglichkeiten erfordern.

Wir können noch länger gesund bleiben

Die Lebenserwartung steigt zwar und liegt in der Steiermark bei 84,7 Jahren. Allerdings verbringen die Steirerinnen davon nur 63,2 Jahre und die Steirer nur 61,8 Jahre in guter Gesundheit (Quelle: Steirischer Gesundheitsbericht 2020). Auch leiden immer mehr Menschen an chronischen Erkrankungen. Umso wichtiger daher Prävention, Gesundheitsförderung und Gesundheitskompetenz – und die entsprechenden Strukturen dafür. Je einfacher es ist, verständliche und qualitätsgeprüfte Infos für unsere Gesundheit zu finden, desto besser können wir sie auch anwenden.

Das Tempo in der Mobilität hat sich rasant beschleunigt

Die meisten steirischen Krankenhäuser entstanden in einer Zeit, in der wir uns mit Pferdekutschen und der Eisenbahn fortbewegten. Das LKH Rottenmann etwa wurde 1844 gegründet. Mehr als 50 Jahre später (1903) gab es gerade einmal 32 Autos in der ganzen Steiermark und ein dementsprechend schlecht ausgebautes Verkehrsnetz. Heute ist nicht nur das Straßennetz ein völlig anderes, für die Notfallversorgung kommen zusätzlich Hubschrauber zum Einsatz. Schlechtwetter ist dabei für die modernen Nachtsichtgeräte kein Hindernis mehr. Die Notarzthubschrauber sind heute mit modernster Technik ausgestattet, welche selbst Flüge unter schlechten Sichtbedingungen ermöglichen. Damit reduzieren sich die immer wieder zitierten Ausfallszeiten der Hubschrauber auf sehr wenige Stunden pro Jahr, die dann durch bodengebundene Notfallsysteme ersetzt werden.

Das Versorgungsnetz
im Überblick

Interaktive Karte

Wir beantworten
Ihre Fragen

Warum braucht die Steiermark überhaupt den Steirischen Gesundheitsplan 2035?

Das steirische Gesundheitssystem ist gut. Aber es geht besser. Denn die Gesellschaft verändert sich und die Medizin entwickelt sich. Stichwort alternde Gesellschaft, moderne Kommunikations- und Mobilitätsmöglichkeiten (mehr dazu …). Der Steirische Gesundheitsplan 2035 nutzt diese Entwicklungen, um die bestmögliche Gesundheitsversorgung in der Steiermark auch in Zukunft zu sichern.

Welche Versorgung ist für den Bezirk Liezen insgesamt geplant?

Im Bezirk Liezen wird es künftig ein neues Leitspital in der Gemeinde Stainach-Pürgg mit einem größeren medizinischen Angebot geben. Die bisherigen Krankenhausstandorte in Rottenmann, Schladming und Bad Aussee werden als Gesundheits- bzw. Facharztzentren nachgenutzt (Details zur geplanten Nachnutzung). In Liezen und Admont sind die Gesundheitszentren bereits eröffnet, für die Region Eisenwurzen ist ein Gesundheitszentrum in einer Netzwerkvariante geplant. Über den gesamten Bezirk gibt es 45 Hausärzt*innen- und 25 Fachärzt*innen-Kassenstellen. Und auch die Notfallversorgung ist flächendeckend und rund um die Uhr gewährleistet.

Zur Versorgungskarte …

 

Verkompliziert der Steirische Gesundheitsplan 2035 unser ohnehin schon kompliziertes System nicht weiter?

Im Gegenteil, der Steirische Gesundheitsplan sieht die schnellstmögliche Versorgung der Patient*innen vor. Das Gesundheitstelefon 1450 dient dabei als erste Anlaufstelle, die professionell durch die Gesundheitsversorgung leitet („Lotse“) und uns schneller zur richtigen Anlaufstelle bringt. Das wird auch deshalb immer wichtiger, da es gerade im Internet eine Vielzahl an Gesundheitsinformationen gibt. Es wird damit aber auch immer schwieriger, die Qualität zu beurteilen.

Warum braucht es das Leitspital Bezirk Liezen?

Im Bezirk Liezen gibt es drei Spitäler, sie liegen an „Rändern“ des Bezirks: in Bad Aussee, in Rottenmann und in Schladming. Alle drei Spitäler sind relativ klein, sodass nur wenige Fächer (z. B. Chirurgie oder Innere Medizin) angeboten werden. Außerdem wird in allen drei Spitälern ungefähr das gleiche medizinische Angebot angeboten.

Für Ärzt*innen ist es besonders wichtig, dass sie in Übung bleiben. Daher müssen sie viel operieren und viele Patient*innen versorgen. Je öfter Operationen durchgeführt werden, umso besser kann man es. Auch junge Ärzt*innen, die in Ausbildung stehen, müssen viel operieren, damit sie viel lernen. Man braucht in einem Spital also besonders viele Operationen, damit die Qualität der Medizin nicht leidet und damit die jungen Ärzt*innen gut ausgebildet werden können und die Routine erhöht wird. Für eine gut funktionierende Abteilung ist ein Einzugsgebiet notwendig, das nicht zu klein ist.

Die bisherigen Krankenhaus-Standorte werden auch in Zukunft für die medizinische Versorgung genutzt (als Gesundheits- bzw. Facharztzentren).

(Credit: Christoph Huber)
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